
Achtzig Kilometer Rebhänge, fünf Rebsorten, sechs Appellationen und ein Wein, den es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Hier erfahren Sie, wie Sie die Weinstraße im französischen Jura befahren, was Sie dabei im Glas haben und in welchen Dörfern sich der Halt lohnt.
Das Jura-Weinbaugebiet ist klein — rund 2.000 Hektar, nach französischen Maßstäben ein Tropfen — aber es hat kein Gegenstück. Nur hier entsteht der Vin Jaune, drei der Rebsorten wachsen praktisch nirgendwo sonst, und die Winzerdörfer sind Dörfer geblieben statt Kulissen zu werden. Die Route verläuft von Norden nach Süden über etwa 80 Kilometer, von Salins-les-Bains bis in den Sud Revermont, immer entlang des ersten Kalkplateaus.
Drei sind geografisch und nach ihrem Dorf benannt: Arbois, mit rund 850 Hektar die größte; Château-Chalon, rund 76 Hektar, auf denen ausschließlich Vin Jaune entsteht; und L'Étoile mit etwa 70 Hektar. Côtes du Jura deckt das übrige Gebiet ab. Die beiden letzten sind keine Orte, sondern Produktappellationen: Crémant du Jura, der Schaumwein der Region, und Macvin du Jura.
Vin Jaune entsteht ausschließlich aus Savagnin und aus einem einzigen Jahrgang. Nach der Gärung kommt er ins Eichenfass und wird dort in Ruhe gelassen: kein Abstich und vor allem kein Nachfüllen, während der Wein verdunstet. Vorgeschrieben sind mindestens sechs Jahre und drei Monate im Keller, davon fünf Jahre im Fass.
In dieser Zeit bildet sich auf der Oberfläche ganz von selbst eine Hefeschicht, der sogenannte Flor. Er schützt den Wein vor grober Oxidation und verändert zugleich langsam seine Chemie. Das Ergebnis sind Aromen, die kein anderer trockener Weißwein hat — jene Note von Walnuss und Curry, die Önologen der Verbindung Sotolon zuschreiben.
Vin Jaune wird in den Clavelin gefüllt, eine gedrungene Flasche mit 62 cl. Das Maß ist nicht willkürlich: So viel bleibt von einem Liter Wein nach sechs Jahren Verdunstung im Fass übrig. Der fehlende Teil heißt auch hier der Anteil der Engel.
Vin Jaune darf in vier Appellationen erzeugt werden: Arbois, Château-Chalon, Côtes du Jura und L'Étoile. Servieren Sie ihn bei 13 bis 15 °C, nie direkt aus dem Kühlschrank — zu kalt verschließt er sich vollständig. Sein Platz ist bei Tisch, zu gereiftem Comté oder zum jurassischen Klassiker, Hähnchen in Morchelrahmsoße. Und weil er unter Luftkontakt gereift ist, hält eine geöffnete Flasche mehrere Tage, was bei Weißwein selten ist.
Der Strohwein ist ein Süßwein aus Trauben, die nach der Lese getrocknet werden — traditionell auf Strohlagern, heute meist auf Horden oder hängend — mindestens sechs Wochen, manchmal bis zu sechs Monate. Die Beeren verlieren Wasser, der Zucker konzentriert sich, der fertige Wein liegt zwischen 14,5 und 17 % Alkohol. Er reift mindestens zwei Jahre in kleinen Fässern und kommt in die 37,5-cl-Flasche. Chardonnay, Savagnin, Poulsard und Trousseau dürfen hineingehen. Passt zu Foie gras oder zu einem Schokoladendessert.
Macvin ist streng genommen kein Wein, sondern ein Likörwein: Traubenmost wird mit Jura-Tresterbrand versetzt, was die Gärung stoppt. Danach reift er mindestens zwölf Monate im Eichenfass und liegt zwischen 16 und 22 % Alkohol. Meist weiß, manchmal rot, gekühlt als Apéritif oder zu Melone.
Der Schaumwein der Region, nach traditioneller Methode mit zweiter Gärung in der Flasche. Er macht einen erheblichen Teil der Jura-Produktion aus und ist der einfachste und günstigste Einstieg in die Weine der Gegend.
Ein Thermalort in einem engen Tal, von der UNESCO für seine Große Saline ausgezeichnet, in der bis 1962 Salz gewonnen wurde. Ein guter Auftakt vor den eigentlichen Weinbergen.
Arbois ist das Herz des Weinbaugebiets und der belebteste Halt der Route. Louis Pasteur wuchs hier auf und führte einen Teil seiner Arbeiten über die Gärung im Weinberg der Familie durch; sein Haus kann besichtigt werden. In der Stadt liegt die höchste Dichte an Weinkellern der gesamten Route, und im Château Pécauld befindet sich das Weinbaumuseum.
Ein winziges Dorf oberhalb von Arbois, das sich Welthauptstadt des Ploussard nennt. Dicht besetzt mit kleinen Winzern und einer der einfachsten Orte, um ohne Termin zu verkosten.
Poligny ist Winzerdorf und Sitz des Comté-Branchenverbands zugleich. Wer Weinberg und Käse verbinden will, ist hier genau richtig.
Auf einem Felssporn über den eigenen Reben gelegen, gehört Château-Chalon zu den Plus Beaux Villages de France und ist die einzige Appellation, die ausschließlich Vin Jaune erzeugt. Der Blick vom Aussichtspunkt des Dorfes über die Weinberge ist das Bild, wegen dem die meisten kommen.
Kein Winzerdorf, aber fünf Minuten abseits der Route und nicht auszulassen: eine Abtei am Grund eines Blindtals, mit Höhlen und einem Wasserfall am Talschluss.
L'Étoile ist eine kleine Appellation, benannt nach den sternförmigen Fossilien im Boden. Etwas südlicher liegt Lons-le-Saunier, die größte Stadt an der Route und ein praktischer Ausgangspunkt für die südliche Hälfte.
Südlich von Lons wird das Weinbaugebiet dünner und die Dörfer stiller. Dieser Abschnitt liegt unseren Ferienhäusern rund um Orgelet und den Lac de Vouglans am nächsten.
Die südliche Hälfte der Route ist vom Gebiet um den Lac de Vouglans aus gut erreichbar, wo unsere Ferienhäuser liegen. Von Orgelet aus sind es etwa dreißig Minuten nach Lons-le-Saunier und rund fünfzig nach Château-Chalon — ein Tag auf der Weinstraße ist also bequem möglich, ohne die Unterkunft zu wechseln.
Wenn Sie zum ersten Mal in die Region kommen, gibt Ihnen unser Reiseführer für Seen, Wasserfälle und Dörfer einen Überblick, und Ferienhaus im Jura mieten erklärt, wie das Mieten hier funktioniert. Für einen Tag ohne Wein liegt der Lac de Vouglans zwanzig Minuten von den Ferienhäusern entfernt.
Fragen vor der Buchung? Am einfachsten erreichen Sie uns per E-Mail: Schreiben Sie uns auf Deutsch, wir antworten auf Deutsch.
Länge der Route, Vin Jaune, Verkostungen und die beste Reisezeit — die Fragen, die uns zum Weinbaugebiet Jura am häufigsten gestellt werden.
Die Route umfasst rund 80 Kilometer, von Salins-les-Bains im Norden bis in den Sud Revermont im Süden. Man könnte sie an einem Tag abfahren, würde aber den Sinn verfehlen: Die Straßen winden sich, die Dörfer sind die Attraktion und Verkostungen brauchen Zeit. Zwei oder drei halbe Tage von einem festen Standort aus sind deutlich sinnvoller.
Ein trockener Weißwein ausschließlich aus der Rebsorte Savagnin, der mindestens sechs Jahre und drei Monate im Keller reift, davon fünf Jahre im Eichenfass, das nie nachgefüllt wird. Auf der Oberfläche bildet sich von selbst eine Hefeschicht, die den Wein langsam verändert und ihm die typischen Noten von Walnuss und Curry gibt. Diesen Wein gibt es sonst nirgendwo auf der Welt.
Der Clavelin fasst 62 cl statt 75 cl. So viel bleibt von einem Liter Wein nach sechs Jahren Verdunstung im Fass übrig. Der verdunstete Teil heißt der Anteil der Engel.
In Arbois und Pupillin kann man meist ohne Voranmeldung in einen Keller gehen. An den übrigen Stationen der Route sind die Weingüter kleine Familienbetriebe, deshalb ist es deutlich sicherer, sich vorher zu melden — besonders sonntags und montags.
Arbois wegen der Dichte an Weinkellern und des Pasteur-Hauses, Pupillin wegen des Ploussard, Château-Chalon wegen des Vin Jaune und des Blicks über die Reben, Poligny, wenn Comté dazukommen soll, und Baume-les-Messieurs als Abstecher zur Abtei im Blindtal.
Ja. Von Orgelet und dem Lac de Vouglans aus sind es etwa dreißig Minuten nach Lons-le-Saunier und rund fünfzig nach Château-Chalon; die südliche Hälfte der Route ist also ein bequemer Tagesausflug. Unsere Wohnung in Montmorot liegt dem Weinbaugebiet am nächsten.
Frühjahr und Frühherbst bieten die beste Kombination aus Wetter, Farben in den Reben und Winzern, die Zeit haben. Der September ist Lesezeit, dann sind die Keller am stärksten beschäftigt. Im Februar markiert die Percée du Vin Jaune die Öffnung des neuen Jahrgangs, jedes Jahr in einem anderen Dorf.